„Jason Bourne“ (2016)

Für manche mag dies vielleicht übertrieben oder überraschend klingen, aber für mich persönlich war „Jason Bourne“, die Fortsetzung der „Bourne“-Trilogie („Das Bourne Vermächtnis“ lassen wir einmal außen vor), einer der am meisten antizipierten Filme dieses Jahres. Angefeuert wurde mein ohnedies schon großer Enthusiasmus dadurch, dass bei mir vor ein paar Monaten Regisseur Paul Greengrass’ letzter Film, der furiose „Captain Phillips“ mit Tom Hanks, am Programm stand – einer der spannendsten Filme, die ich dieses Jahr sehen durfte! Vor etwas mehr als einer Woche habe ich nun „Jason Bourne“ im Kino gesehen, und seitdem nagt der Film an mir.

Nach neun Jahren wirft sich Matt Damon zum vierten Mal in die Rolle des einstigen CIA-Auftragskillers Jason Bourne, der inzwischen die noch immer vorhandenen Erinnerungslücken durch Schmerzen zu übertünchen versucht. Doch die Vergangenheit lässt ihn einfach nicht los. Leider gilt dies aber nicht nur für die Titelfigur, sondern auch für den gleichlautenden Film, der sich an der Vergangenheit messen lassen muss. Irgendwie kommt einem dabei vieles bekannt vor. Wieder einmal geht es um ein neues Geheimprogramm, das droht, aufgedeckt zu werden – waren in den 2000er-Jahren noch illegale Tötungen das Thema des öffentlichen Diskurses, so ist es nun den 2010ern entsprechend die vollkommene digitale Überwachung durch die Geheimdienste. Wieder einmal möchte ein in die Rekrutierung Bournes verwickelter, austauschbarer CIA-Offizieller (hier Tommy Lee Jones als CIA-Direktor Robert Dewey) die verbotenen Programme durch den Tod Bournes vertuschen. Wieder einmal gibt es innerhalb der CIA eine weibliche Gegenstimme, die Bourne zurückholen möchte (Alicia Vikander). Wieder einmal soll ein wenig mehr Licht in das Dunkel um Bournes Anfänge gebracht werden. Diese Wiederholungen an sich wären noch nicht verwerflich. Das Problem ist, dass die Geschichte dabei einfach nicht interessant ist, der aufgebrachte familiäre Aspekt überhaupt nicht berührt. Black ops hat es immer gegeben und wird es immer geben, auf jedes aufgedeckte Programm folgt ein neues – man kann nur hoffen, dass sich Bourne nicht jedes einzelnen annimmt.

Vom ursprünglichen Cast ist neben Damon nur Julia Stiles verblieben. Von ihrer Rolle der einstigen Agentin Nicky Parsons, über deren Wiederkehr ich mich zunächst sehr gefreut hatte, war ich dann doch ein wenig enttäuscht, obwohl ihre Geschichte eigentlich durchaus der Logik der Filme entspricht. Rising Star Alicia Vikander ist hier als schwer einzuschätzende CIA-Abteilungsleiterin Heather Lee leider keine überzeugende Nachfolgerin von Joan Allens Vizedirektorin Pamela Landy. Vincent Cassel darf seinem CIA-Killer zwar ein wenig mehr Charakter verleihen als seine meisten Vorgänger (er redet sogar!), seine Figur wurde aber mit zu viel Backstory überladen.

Deutlich wird das Problem von „Jason Bourne“ nicht zuletzt an den Handlungsorten und der Art und Weise, wie man dorthin gelangt – etwas, was bereits bei „Das Bourne Ultimatum“ hakte: Was „Die Bourne Identität“ und „Die Bourne Verschwörung“ so besonders machte, war ihre örtliche Verankerung. Paris, Berlin, Moskau trugen als Schauplätze zur Handlung bei. Mehr noch, die Filme vermittelten einen realistischen Eindruck von Ortswechseln: Bourne steigt in ein Auto und fährt durch Frankreich, Bourne steigt in Berlin in einen Zug und in Moskau wieder aus dem Zug. Schon bei „Ultimatum“ waren diese Ortswechsel hingegen unvermittelt, sprunghaft, zum Teil unnötig. Dieser Eindruck ist bei „Jason Bourne“ nun noch stärker. Reykjavík, Berlin, London – diese Städte bleiben völlig farblos und austauschbar. Am besten gelingt die Verortung mit Athen, wo tatsächliche (wenn auch überzeichnete) politische Unruhen aufgegriffen werden. Nicht ohne Grund spielt sich dort dann auch die spannendste und interessanteste Action des Films ab (gedreht wurden diese Szenen allerdings nicht in Athen).

Vielleicht tue ich dem Film ja Unrecht, weil ich ihn mit strengen Bourne-Maßstäben beurteile. War „Jason Bourne“ ein guter Actionfilm? Absolut. War er ein guter Agentenfilm? Naja. War er ein guter „Bourne“-Film? Ich fürchte, eher nicht. Aber dann wiederum: Beschädigt „Jason Bourne“ durch das Weiterspinnen bzw. die Auflösung von Handlungssträngen die früheren Filme, wie es späte Fortsetzungen (etwa „Der Pate III“ oder „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“) manchmal leider gerne tun? Das nun absolut nicht.

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3 Gedanken zu “„Jason Bourne“ (2016)

  1. […] „Jason Bourne“ steht vor der Tür und so war es ein Gebot der Stunde, sich wieder einmal die bisherigen drei Filme der Reihe, die sich um den von Matt Damon verkörperten Titelhelden drehen, zu Gemüte zu führen: „Die Bourne Identität“ (2002), „Die Bourne Verschwörung“ (2004) und „Das Bourne Ultimatum“ (2007) (Wer mehr über den etwas außerhalb der eigentlichen Reihe stehenden Film „Das Bourne Vermächtnis“ (2012) erfahren möchte, sei auf meine damalige Kritik verwiesen.) Meine Vorfreude auf das Wiedersehen war sehr groß und – was soll ich sagen? – ich wurde nicht enttäuscht. Auch nach all den Jahren – ja, der erste Teil ist tatsächlich bereits 14 Jahre alt! – sind die drei Filme spannend wie eh und je. Obwohl ich die Handlungen kannte, befand ich mich fast durchgehend in einem Zustand der Begeisterung und Bewunderung. […]

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