Die „Bourne“-Trilogie (2002–2007)

„Jason Bourne“ steht vor der Tür und so war es ein Gebot der Stunde, sich wieder einmal die bisherigen drei Filme der Reihe, die sich um den von Matt Damon verkörperten Titelhelden drehen, zu Gemüte zu führen: „Die Bourne Identität“ (2002), „Die Bourne Verschwörung“ (2004) und „Das Bourne Ultimatum“ (2007) (Wer mehr über den etwas außerhalb der eigentlichen Reihe stehenden Film „Das Bourne Vermächtnis“ (2012) erfahren möchte, sei auf meine damalige Kritik verwiesen.) Meine Vorfreude auf das Wiedersehen war sehr groß und – was soll ich sagen? – ich wurde nicht enttäuscht. Auch nach all den Jahren – ja, der erste Teil ist tatsächlich bereits 14 Jahre alt! – sind die drei Filme spannend wie eh und je. Obwohl ich die Handlungen kannte, befand ich mich fast durchgehend in einem Zustand der Begeisterung und Bewunderung.

Viel ist in den letzten zehn Jahren darüber geschrieben worden, wie diese drei Filme mit ihrem Realismus und ihrer Körperbetontheit genrebestimmend geworden sind, und dies kann mit ein wenig zeitlichem Abstand immer noch nur betont werden. Besonders „Das Bourne Ultimatum“ („The Bourne Ultimatum“) wird stets hervorgehoben für die Perfektion der seit 15 Jahren im Actionkino dominierenden shaky cam, die bis heute eigentlich nur Kameramann Oliver Wood und Regisseur Paul Greengrass so wirklich beherrschen. Jeder Thriller-Actionfilm der letzten Jahre muss sich an den „Bourne“-Filmen messen lassen. Ohne „Bourne“ hätte es vermutlich keinen Daniel Craig-James Bond gegeben.

Während ich persönlich alle drei Filme großartig finde, belegt „Ultimatum“ jedoch nur meinen Platz 3. Ja, es gibt einige wirklich atemberaubende Szenen (die Londoner Waterloo Station, die Häuser von Tanger), aber mit London und New York wurden Schauplätze gewählt, die wir auch aus vielen anderen Filmen kennen. Für mich das Tolle an „Die Bourne Identität“ („The Bourne Identity“, noch unter der Regie von Doug Liman) und „Die Bourne Verschwörung“ („The Bourne Supremacy“, Greengrass) sind nicht zuletzt die ungewohnten Handlungsorte, die nicht nur austauschbare Kulisse sind, sondern aufgegriffen und verarbeitet werden: Paris, Berlin, Moskau – der erste Teil spielt überhaupt fast zur Gänze in Frankreich. Es sind dies keine ganz außergewöhnlichen Orte, aber „Bourne“ steht für mich auch für eine erneute Hinwendung zum Alten Europa, die um die Jahrtausendwende im Hollywoodkino zu verzeichnen war. Auch von den eigentlichen Handlungen her finde ich die ersten beiden Filme ein wenig spannender und interessanter. Die Suche nach Antworten auf die Fragen „Wer bin ich?“ und „Was habe ich getan?“ ist für mich offensichtlich die Spur attraktiver als jene auf die Frage „Warum bin ich, wer ich bin?“.

Mein absoluter Favorit bleibt weiterhin „Die Bourne Identität“ – vielleicht nur deshalb, weil ich ihn mit Abstand am häufigsten gesehen habe, vielleicht aber auch wegen meines Faibles für „Ronin“ (1998, John Frankenheimer), der ebenfalls in Frankreich spielt und mit dem „Bourne“ in ganz geringen Ansätzen manche Grundideen teilen mag. Was mich nach all den Jahren aufs Neue wieder positiv überrascht hat, ist mit der Deutschen Franka Potente als alternative Lebenskünstlerin Marie die nach Hollywoodmaßstäben völlig untypische, ja (man muss fast sagen) mutige Wahl für die weibliche Hauptrolle. In Kombination mit dem damals eigentlich auch gegen seinen Typ besetzten Matt Damon bildet sie jedoch das perfekte Paar. Überhaupt muss man den „Bourne“-Filmen glaube ich ein Lob für ihre weitestgehend entsexualisierten Protagonistinnen (neben Potente auch Joan Allen und Julia Stiles) aussprechen, die noch dazu in meinen Augen interessantere Charaktere als ihre männlichen Widersacher (u.a. Chris Cooper, Brian Cox, David Strathairn, Scott Glenn, Albert Finney, Clive Owen, Karl Urban, Édgar Ramírez) abgeben.

In den letzten Tagen sind mir doch glatt Menschen untergekommen, die die (bisherige) „Bourne“-Trilogie noch nicht kennen – ihnen kann ich nur sagen: Schaut Euch diese Filme an! Ich jedenfalls blicke bereits mit großer Erwartung auf „Jason Bourne“.

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3 Gedanken zu “Die „Bourne“-Trilogie (2002–2007)

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