„The Revenant“ (2015)

Um eines gleich vorweg klar zu stellen: Ist „The Revenant“ ein guter Film? Definitiv. Hat der Film mir gut gefallen? Das kann ich nicht mit dieser Absolutheit sagen.

Regisseur Alejandro González Iñárritus erster Historienfilm, im verschneiten Mittleren Westen der USA im frühen 19. Jahrhundert angesiedelt, erzählt die Geschichte von Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), dem Kundschafter einer von Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Gruppe von Pelzjägern, der auch die Trapper John Fitzgerald (Tom Hardy) und Jim Bridger (Will Poulter) angehören. Glass findet sich plötzlich in einer Situation wieder, in der es unter widrigsten Umständen um das nackte Überleben in der Wildnis geht, wobei „The Revenant“ Überlebens- und Rachedrama zugleich ist.

Der Film hat bislang sowohl bei Zuschauern wie Kritik großen Zuspruch erfahren und gilt zudem als aussichtsreicher Kandidat für die diesjährige Oscar-Verleihung. Viele sehen nun auch endlich den Zeitpunkt für die längst überfällige Auszeichnung von Ausnahmeschauspieler Leonardo DiCaprio gekommen, der hier ohne Zweifel eine sehr gute Leistung abliefert (wie man es von ihm nicht anders kennt). Spitzzüngig könnte man behaupten, DiCaprio macht das, was er am besten kann: er leidet. Doch obwohl der Film ganz und gar einem Mann gehört, ist dieser Mann meiner Meinung nach nicht DiCaprio. Nein, „The Revenant“ ist durch und durch der Film von Kameramann Emmanuel Lubezki, dem Meister des Tracking Shot, der dieses Jahr absolut seinen dritten Oscar in Folge verdient hätte. Die Kamerabewegungen, die Perspektiven, das Licht – allein schon (oder vor allem?) wegen der Bilder lohnt sich „The Revenant“.

Im Oeuvre des von mir hochgeschätzten Regisseurs González Iñárritu („Amores Perros“, „Babel“, „Birdman“) erinnert der Film mit seinen transzendenten Elementen vor allem an „Biutiful“ (2010) – ebenfalls die Geschichte eines dem Tode nahen Mannes; darüber hinausgehend in vielen Szenen aber auch an die Werke Terrence Malicks, wobei dies natürlich wieder an Lubezki liegen mag, der ja für die Kameraarbeit in Malicks letzten vier Filmen verantwortlich war. Wohl nicht zuletzt aufgrund des historischen Settings rund um amerikanische Pioniere und der Rolle indigener Bevölkerung musste ich während „The Revenant“ instinktiv mehrmals an Malicks „The New World“ (2005) denken.

Leider empfand ich den Rhythmus von „The Revenant“ nicht ganz stimmig. Trotz einer recht linearen Handlung war mir der Handlungsfortgang zu sprunghaft. González Iñárritu wollte hier scheinbar ein bisschen zu viel, und man wird das Gefühl nicht los, dass trotz der deutlichen Überlänge des Films einiges an Material vor allem des letzten Akts im Schneideraum liegen gelassen wurde. Mein größtes Problem mit „The Revenant“ ist jedoch eines der suspension of disbelief: Obwohl die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht (was ich aber erst im Nachhinein realisierte), kaufe ich der von DiCaprio dargestellten Hauptfigur bei aller nachvollziehbaren Willensstärke ihre plötzliche körperliche Stärke nicht ab.

Alles in allem ist „The Revenant“ dennoch ein lohnenswerter Film, dem man den Erfolg trotz mancher kleinerer Schwächen durchaus gönnt.

 

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