Die originale „Planet der Affen“-Filmreihe (1968–1973)

Von der originalen „Planet der Affen“-Filmreihe kannte ich bislang lediglich einzelne Szenen, die ich in meiner frühen Jugend im Samstagnachmittag-Fernsehprogramm gesehen hatte, sowie natürlich unzählige Anspielungen und Parodien in anderen Filmen und Fernsehsendungen – allen voran „Planet der Affen: Das Musical“ bei den „Simpsons“. Doch nun hatte ich vor Kurzem endlich die Gelegenheit, mir alle fünf Filme nacheinander ganz anzusehen: „Planet der Affen“ (1968), „Rückkehr zum Planet der Affen“ (1970), „Flucht vom Planet der Affen“ (1971), „Eroberung vom Planet der Affen“ (1972) und „Die Schlacht um den Planet der Affen“ (1973).

Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch und ich fürchtete ein zunehmend lächerliches Filmerlebnis in der Vermutung, dass die Filme ihren Kultfaktor vor allem aus einer Absurdität heraus bezögen. Doch ich muss gestehen: Wie sehr habe ich mich doch geirrt!

Hervorragend ist der Originalfilm „Planet der Affen“ („Planet of the Apes“) von Regisseur Franklin J. Schaffner, basierend auf dem gleichnamigen Roman des Franzosen Pierre Boulle, von dem auch „Die Brücke am Kwai“ stammt. Die grundsätzliche Handlung dürfte heutzutage allgemein bekannt sein: Der Astronaut Taylor (Charlton Heston) erlebt nach einer Reise durch Raum und Zeit eine Bruchlandung auf einem Planeten, auf dem die Menschen stumme Wilde und die Affen die Herrscher sind.

Was bei genauerer Betrachtung überrascht, ist wie wenig der Film tatsächlich Science-Fiction ist, auch nicht Dystopie, sondern vielmehr eine ganz klassische Parabel, wie wir sie zahlreich seit der Antike und dem Mittelalter kennen. Bis auf die Zeitreise zu Beginn des Films gibt es in „Planet der Affen“ kein wissenschaftliches Novum – es sind lediglich die Rollen von Menschen und Affen vertauscht. Es ist aber wohl gerade dieser Aspekt, der auch heute noch Menschen anspricht, die mit dem Science-Fiction-Genre nichts anfangen können. „Planet der Affen“ problematisiert eine ganze Reihe von Themenkomplexen, angefangen von der Rassendiskriminierung und dem Overkill bis hin zu Fragen der wissenschaftlichen Redlichkeit und der Religionskritik, und obwohl wir als Zuseher fast ausschließlich mit Schauspielern in Affenkostümen konfrontiert sind, wirkt der Film dabei nie lächerlich.

„Rückkehr zum Planet der Affen“ („Beneath the Planet of the Apes“) von Regisseur Ted Post, der zweite Film der Reihe, ist deutlich schwächer. Charlton Heston war nur noch zu einem Kurzauftritt bereit, sodass sich die Handlung nun in erster Linie um einen anderen am Planeten bruchgelandeten Astronauten dreht. Der Film hat zwar ein paar gute Aussagen zum nuklearen Wettrüsten und zum Overkill parat, doch gehen diese im wirren Drehbuch ein wenig unter. Selbst die Affen kommen auf ihrem eigenen Planeten nur noch am Rande vor.

„Flucht vom Planet der Affen“ („Escape from the Planet of the Apes”) unter der Regie von Don Taylor schlägt eine ganz andere Tonart (bzw. Tonarten) an. Zwei der aus den ersten beiden Filmen bekannten Affen, die Schimpansenwissenschaftler Zira (Kim Hunter) und Cornelius (Roddy McDowall), haben es auf die Erde der Gegenwart geschafft, wo sie zunächst als Stars gefeiert, dann aber zunehmend mit Misstrauen und Repressionen konfrontiert werden. Die Kritik zielt hier, anders als in den beiden Vorgängerfilmen, auf die moderne Mediengesellschaft und vor allem auf den die Freiheiten seiner Bürger missachtenden Staatsapparat. Der Film beginnt eigentlich als Komödie, kippt aber immer mehr ins Tragische und endet fast schon als Thriller, was den Zuschauer ein wenig unvorbereitet trifft.

Bei J. Lee Thompsons „Eroberung vom Planet der Affen“ („Conquest of the Planet of the Apes”) weicht meine Beurteilung stark von der gängigen kritischen Anschauung ab, die diesen Teil der Reihe meist abschätzig bewertet. Meiner Meinung nach zählen die ersten zwei Drittel des Films zum Besten, was die ganze Reihe zu bieten hat. Im Jahr 1991 haben sich die USA zu einem Polizeistaat entwickelt, in dem die Affen zunächst domestiziert und dann versklavt worden sind. Der des Sprechens mächtige Schimpanse Cäsar möchte sich mit dieser Situation jedoch nicht länger zufrieden geben. Der Film leidet vor allem unter dem schlecht inszenierten letzten Drittel, ist aber nichtsdestotrotz ein hervorragendes Lehrstück über Rassenhass, Faschismus und Freiheitsdrang.

„Die Schlacht um den Planet der Affen“ („Battle for the Planet of the Apes“), ebenfalls von Thompson inszeniert, hat dagegen zwar hehre Absichten, kann aber aufgrund einer sprunghaften und nicht ganz schlüssigen Handlung nicht überzeugen. Zu guter Letzt ist der Film über die unfriedliche Koexistenz von Menschen und Affen nach der nuklearen Katastrophe vor allem eines, nämlich billig. Glücklicherweise dauert er aber nicht lange genug an, um ein echtes Makel für die Serie darzustellen. Man erträgt den Film und nimmt sogar den einen oder anderen Gedanken für sich mit.

Mein Fazit: Die fünf Filme der originalen „Planet der Affen“-Filmreihe sind selbst im Auge des kultunempfänglichen Neulings insgesamt betrachtet überraschend gut gemacht, setzen sich kritisch mit vielen Thematiken auseinander, die immer noch von großer gesellschaftlicher Relevanz sind, und verdienen es daher, auch heute noch gesehen und (wieder)entdeckt zu werden.

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