„Codename U.N.C.L.E.“ (2015)

Ein Kinobesuch war schon lange wieder überfällig und da dieser zur Abwechslung einmal in Gesellschaft erfolgte, wurde es ein Bubenfilm (oder zumindest das, was in meinem Kinoverhalten am ehesten noch einem Bubenfilm gleichkommt). Wobei man mich bitte nicht missverstehen möge: Das Etikett Bubenfilm ist für mich definitiv nichts Negatives, und das Etikett Guy Ritchie trotz Rückschlägen eigentlich immer noch prinzipiell ein Grund, sich einen Film anzusehen.

Ritchies jüngster Film „Codename U.N.C.L.E.“ („The Man from U.N.C.L.E.“) basiert auf der im Englischen gleichnamigen Fernsehserie aus den 1960er-Jahren, die im deutschen Fernsehen unter dem Titel „Solo für O.N.C.E.L.“ lief und die ich zu meiner großen Schande (oder auch nicht) bislang überhaupt nicht kannte.

Mitten im Kalten Krieg müssen der CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) und der KGB-Agent Illya Kuryakin (Armie Hammer) gemeinsam gegen eine italienische Nazi-Industriellenfamilie vorgehen, die im Begriff ist, sich Nuklearwaffen anzueignen. Als Lockvogel dient ihnen dabei die junge ostdeutsche Automechanikerin Gaby Teller (Alicia Vikander).

Bereits die originale Fernsehserie entstand im Fahrwasser der James Bond-Filmreihe (tatsächlich hatte Ian Fleming zur Konzipierung von „U.N.C.L.E.“ beigetragen), sodass der jetzige Film für jene, die die Serie nicht kennen, wohl vor allem als Persiflage bzw. komische Variante auf die frühen Bond-Filme verstanden werden wird (was sicherlich auch intendiert ist). Nach Sherlock Holmes, der bei Guy Ritchie, wie ich es einmal geschrieben habe, zum „007 des Fin de siècle“ mutierte, steht nun gewissermaßen also der wirkliche 007 am Programm. Doch auch die Werke Federico Fellinis dürften als Inspiration für „Codename U.N.C.L.E.“ gedient haben.

Dabei nimmt sich der Film über weite Strecken selbst nicht so ernst (was ihm manchmal vielleicht doch ganz gut getan hätte). Es gibt eigentlich keine Figur, die hier nicht überzeichnet und ins comichafte verzerrt ist. Überhaupt könnte „Codename U.N.C.L.E.“ von seinem Tonfall her durchaus mehr eine Comicverfilmung sein.

Irritierend ist der sprunghafte Fortgang der Handlung: Die Szenen reihen sich nicht immer klar verbunden aneinander und man wird das Gefühl nicht los, dass manche Übergänge dem Schneideprozess zum Opfer gefallen sind. Umgekehrt wäre eine Reduzierung zum Schluss durchaus wünschenswert gewesen, denn statt drei Enden (eines davon völlig unnötig sentimental) hätte es auch nur ein Ende getan. Dass der Film, wiewohl er sich natürlich als Prequel zur Serie versteht, eindeutig alle Weichen auf Fortsetzung stellt, ist eine momentane Hollywoodkrankheit, die man leider inzwischen wohl einfach akzeptieren muss.

Alles in allem ist „Codename U.N.C.L.E.“ trotz aller Schwächen aber eine witzige und wunderbar kostümierte und ausgestattete Agentenkomödie. Muss man den Film gesehen haben? Sicherlich nicht. Aber im Vergleich zu ähnlicher Kost, die einem immer wieder vorgesetzt wird, kann man hiermit durchaus zwei unbeschwerte Kinostunden verbringen.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss: Irgendwo im Internet (ich glaube bei Screen Junkies) habe ich den Vorschlag aufgeschnappt, Guy Ritchie solle doch Sam Mendes als Regisseur der Bond-Filmreihe beerben. Vielleicht ist dieser Vorschlag gar nicht so falsch – vorausgesetzt allerdings man möchte wieder einen James Bond à la Roger Moore.

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Ein Gedanke zu “„Codename U.N.C.L.E.“ (2015)

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